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Billigflieger nach Südafrika-Art

KAPSTADT - kulula ist eine Billigfluggesellschaft, die über die Grenzen Südafrikas hinaus kaum bekannt ist. "Kulula" heißt "leicht" in der Zulu-Sprache, also linguistisch fast eine afrikanische Version von easyJet. Sie wurde 2001 gegründet als Tochter der privaten Comair.

Comair fliegt ihrerseits bereits seit 1996 in enger Kooperation mit British Airways und auch unter deren Marke und Bemalung. Kulula ist eine 100prozentige Tochter der börsennotierten Comair und war der erste afrikanische Billigflieger.

Flugreport kulula
Airline
kulula
Flugzeugtyp
Boeing 737-800
Kabine
Economy Class
Datum
17. Februar 2017
Route
Kapstadt - Johannesburg
Flug
MN102
Heute ist kulula nicht nur die älteste, sondern mit bald zwölf Boeing 737 auch die größte Billiglinie Afrikas. Ähnlich wie die Urmutter aller Billiganbieter, Southwest Airlines in den USA, hat kulula einen Ruf in Südafrika als eine humorvolle, lustige Airline, die die ganze Zeit über Witze reißt.

Der beste Beweis dafür war die großartige "flying 101"-Bemalung, die auf lustige Art mit Aufschriften auf dem Rumpf die Funktionen der Boeing 737 erklärte und etwa auf den Platz des Kapitäns im Cockpit als "The Big Cheese" hinwies.

kulula Boeing 737-800
kulula Boeing 737-800, © kulula

Freunde von mir in Südafrika allerdings sagen, dass es zuletzt an Bord von kulula kaum noch Grund zum Lächeln gab. Daher erwartete ich nicht allzu viel, als ich die knallgrüne Boeing 737-800 in Kapstadt besteige, zu Fuß vom Bus ins Flugzeug, wie es auf dem Flughafen bei Inlandsflügen aller Gesellschaften häufig der Fall ist.

Die Strecke von Johannesburg nach Kapstadt und zurück ist eine der am dichtest beflogenen Inlandsrouten der Welt und die wettbewerbsintensivste in Südafrika, nicht weniger als fünf Airlines fliegen auf der Rennstrecke, deren Flugzeit knapp unter zwei Stunden liegt. Mein Flug, den ich erst gut eine Woche vor Abflug gebucht habe, kostete 900 Rand (etwa 65 Euro).

Südafrika kennt nicht das ganz abgespeckte LCC-Modell wie etwa bei Ryanair, sogar für diesen günstigen Tarif ist noch ein aufzugebendes Gepäckstück von bis zu 20 Kilo Gewicht inklusive.

kulula Boeing 737-800
kulula MN102, © Andreas Spaeth

Nachdem das Online-Check-In-System mir willkürlich einen Platz in der letzten Reihe zugewiesen hatte frage ich am Flughafen am Schalter nach einem besseren Platz - und bekomme einen Sitz am Gang in der zweiten Reihe. Die Kabine der Boeing 737-800 verfügt über das neue Sky Interior und auch über einen kulula-eigenen Teppich mit eingeprägtem Firmennamen.

Die dunklen blauen Ledersitze weisen einen sehr engen Abstand auf, kulula sagt im Durchschnitt betrage der Sitzabstand magere 29 bis 30 Zoll (73,6 bis 76,2cm), und das merkt man. Diese 737-800 hat 186 Sitze, andere sogar 189, wobei rund um die Tragflächen-Notausgänge gegen Gebühr Sitze in der "Stretch"-Zone verkauft werden, die 33 Zoll Beinfreiheit bieten. Aber immerhin lassen sich alle Sitzlehnen leicht zurückklappen.

kulula Boeing 737-800
kulula Boeing 737-800, © kulula

Nachdem ich die Stufen ins Flugzeuge erklommen habe weiß ich, dass ich in guten Händen bin, und das liegt an Kevin, dem Purser. Er ist ein Naturtalent darin, auf lustige und passende Weise die Leute aufzumuntern. Er hat für fast jeden, der einsteigt, einen Witz auf den Lippen ("Willkommen bei 102, nein das ist nicht Ihr Alter, das ist unsere Flugnummer" und viele andere), und es macht Freude zu sehen wie die Menschen dadurch entspannen und lächeln.

Die Besatzung ist außerordentlich freundlich und lächelt breit, etwas das man gerade im harten Billigflug-Geschäft nicht häufig findet. Das entschädigt sogar für die brütend heiße Kabine, denn unglücklicherweise funktioniert die APU-Hilfsturbine an diesem heißen Kapstädter Sommertag nicht.

Daher passt aber das Kleingedruckte auf der Sicherheitskarte umso besser, eine Art eingebauter Witz, der den Geist von kulula zeigt: "Wir mögen diese Sicherheitskarten wirklich... Die machen sich gut als Fächer, also bitte nicht aus dem Flugzeug entfernen." Wir starten mit 15 Minuten Verspätung.

kulula Boeing 737-800
kulula Boeing 737-800, © Andreas Spaeth

Kurz darauf werden schon die Trolleys durch die Gänge gefahren, um Getränke und Snacks anzubieten. Bei kulula wird alles verkauft, aber für sehr faire Preise. Wasserflaschen, Kaffee oder Tee kosten umgerechnet einen Euro. Glücklicherweise und für Europäer überraschend kann man innerhalb Afrikas sogar auf manchen internationalen Flügen weiterhin volle Wasserflaschen mit an Bord nehmen und damit vermeiden, für Getränke zu zahlen und trotzdem nicht zu verdursten.

Auf dem Menü steht auch der beliebteste Snack in Südafrika, Biltong (dünn geschnittenes Trockenfleisch) für umgerechnet 2,55 Euro. Als echter LCC bietet kulula keine Bordunterhaltung, aber Kevins Witze sind ohnehin unschlagbar, und sie kommen vor, während und nach dem Flug, etwa als der die Passagiere bei einer Ansage als "ehrenvolle Mitglieder" tituliert.

Es gibt auch ein gehaltvolles und gut gemachtes Bordmagazin, außerdem liegen in südafrikanischen Inlandsterminals Gratis-Tageszeitungen aus.

kulula Boeing 737-800
kulula Boeing 737-800, © Andreas Spaeth

Interessanterweise bedient kulula genau wie die anderen beiden LCCs des Landes zwei Flughäfen in Johannesburg, neben dem Hauptflughafen OR Tambo International auch Lanseria im Nordwesten der Stadt, häufig eine einfachere und schnellere Alternative. Heute landen wir auf dem Hauptflughafen nach einer Flugzeit von nur einer Stunde und 37 Minuten, und damit fast noch pünktlich.

Bewertung


Es macht Spaß, kulula zu fliegen, weil die Tarife für europäische Standards niedrig sind und trotzdem noch ein aufzugebendes Gepäckstück beinhalten. Natürlich hilft eine gutgelaunte Crew immer und sogar über kleine Unzulänglichkeiten wie ein streikendes APU hinweg.

Aber ich würde mir mehr solche Flugbegleiter wie Kevin, den Purser auf meinem kulula-Flug, wünschen, die Passagieren ein Lächeln oder sogar Lachen entlocken, was in der Passagiererfahrung wirklich einen Unterschied macht.

Andreas Spaeth


Andreas Spaeth fliegt. Viel. Auf PaxEx.de schreibt Spaeth, einer der führenden Luftfahrtjournalisten in Europa, über seine Erlebnisse als Passagier rund um den Globus.

Auf Twitter ist der Autor als @SpaethFlies unterwegs.
© Andreas Spaeth | Abb.: kulula | 11.03.2017 09:28


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