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Singapore Airlines etabliert neuen Superluxus im A380

SINGAPUR / HAMBURG – Singapore Airlines investiert 850 Millionen US-Dollar in ihre A380. Mit ihren neuen "Skyroom"-Suiten schraubt die Airline den Maßstab für das Wort "Luxus" in der Linienluftfahrt höher. Zugleich nährt sie die Hoffnung, dass der europäische Superjumbo doch noch eine goldene Zukunft haben könnte.

Wenn die neuen Kabinen im ersten frisch ausgelieferten Airbus A380 von Singapore Airlines (SIA) ihre Premiere feiern wird der weltweit erste Passagierflug der A380 gerade zehn Jahre und knapp zwei Monate vorbei sein.

Singapore Airlines Airbus A380 (2017) Economy Class (© Singapore Airlines)
Singapore Airlines Airbus A380 (2017) Premium Economy (© Singapore Airlines)
Singapore Airlines Airbus A380 (2017) Business Class (© Singapore Airlines)
Singapore Airlines Airbus A380 (2017) Business Class (© Singapore Airlines)
Singapore Airlines Airbus A380 (2017) First Class Suite (© Singapore Airlines)
Singapore Airlines Airbus A380 (2017) First Class Suite (© Singapore Airlines)
Fotoserie: Singapore Airlines A380 Cabin Renderings

Am 18. Dezember 2017 wird die erste von fünf neuen A380, die der Erstbetreiber 2012 bestellt hatte, Kennzeichen 9V-SKU, auf Flug SQ221 von Singapur nach Sydney eingesetzt.

Genau jene Route, die Flug SQ380 am Morgen des 25. Oktober 2007 als allererster kommerzieller A380-Flug jemals genommen hatte. Erstmals seit Dezember 2014, als Etihad ihre erste A380 bekam, wird damit ein A380-Betreiber eine völlig neue Kabine einführen.

In einer Zeremonie wurde sie am Donnerstagmorgen (Ortszeit) erstmals in Singapur öffentlich vorgestellt, allerdings nur in einzelnen Sitzgruppen. PaxEx.de hatte dagegen bereits vergangene Woche exklusiven Zugang zum ersten Flugzeug 9V-SKU im Airbus-Werk Hamburg-Finkenwerder, wo es derzeit auf die Auslieferung im Dezember vorbereitet wird.

Fotos der Kabineneinrichtung aus dem realen Flugzeug werden hier erstmals exklusiv gezeigt. Die Gesamtzahl der Sitze ist wieder die gleiche Anzahl, mit der SIA vor zehn Jahren begann – 471.

Zu Beginn des A380-Betriebs war die A380 bei SIA mit zwölf Suiten und 311 Economy-Sitzen auf dem Hauptdeck plus 60 Business Class-Sitzen und 88 Economy-Sitzen auf dem Oberdeck ausgestattet.

Seit Einführung der Premium Economy Class gab es zwei unterschiedliche Versionen mit entweder 441 Sitzen (mit gleichem Oberdeck und zwölf Suiten, 36 Premium Economy und 245 Economy-Sitzen auf dem Hauptdeck) oder 379 Sitzen total mit dem gleichen Hauptdeck und einem reinen Business-Class Oberdeck mit 86 Sitzen.

Singapore Airlines Airbus A380
Singapore Airlines Airbus A380 Cabin Integration, © Andreas Spaeth

Die neueste A380-Kabine verfügt jetzt über sechs Suiten auf dem Oberdeck vorn plus 78 Business-Sitze, mithin ein reines Premium-Oberdeck, wie es viele andere A380-Betreiber auch bieten.

Auf dem Hauptdeck ist jetzt ganz vorn die Premium Economy mit 44 Sitzen in einer 2-4-2-Konfiguration, dahinter 342 Economy-Sitze in 3-4-3-Anordnung mit 32“ (81cm) Sitzabstand und 18,5“ (47cm) Breite. "Wir nutzen jetzt das Platzangebot der A380 sehr viel effizienter, indem wir die Suites ins Oberdeck verlegt haben“, sagt SIA-CEO Goh Choon Phong.

Die wichtigste Veränderung in der neuen A380-Inneneinrichtung betrifft in der Tat die ultra-luxuriöse "Suites“-Klasse, ein Begriff den SIA vor zehn Jahren anstatt First Class an Bord der A380 eingeführt hatte. Bisher waren die zwölf Suiten in einer 1-2-1-Konfiguration auf dem vorderen Hauptdeck angeordnet.

Singapore Airlines Airbus A380 (2017) First Class Suite
Singapore Airlines Airbus A380 (2017) First Class Suite, © Andreas Spaeth

Jetzt kann man sogar von außen die fünf neuen A380 als solche daran erkennen, dass jedes dritte Fenster auf beiden Seiten des Oberdecks im Bereich vor der ersten Tür verschlossen wurde, da hier die Raumteiler zwischen den drei neuen Suiten auf jeder Seite verlaufen.

Das heißt, dass die Anzahl der Suiten gegenüber der ursprünglichen Kabine halbiert und die jetzt sechs Suiten vom vorderen Hauptdeck nach oben gleich an die große Treppe verlegt wurden.

Diese intern vom Hersteller Zodiac in Großbritannien als "Skyrooms“ bezeichneten Abteile sind wirklich spektakulär, wenn auch nicht derart überkandidelt wie die Residence von Etihad.

Jede Suite verfügt jetzt über eine Fläche von bis zu 4,6 Quadratmetern, wobei die Suiten 1A und 1F die geräumigsten sind, eine Menge Platz für einen einzelnen Passagier. Die bisherigen Suiten gaben jedem Passagier nur 2,8 Quadratmeter Raum, eine Steigerung von 70 Prozent.

Zum Gang hin sind sie durch zweiteilige Schiebetüren abgeschirmt, die von Hand bewegt werden, im Gegensatz zu elektrisch betriebenen bei anderen Gesellschaften, wo sie eine ständige Quelle für technische Probleme darstellen.
Der Suiten wirken tatsächlich wie eine Art Studio oder Wohn-/Schlafzimmer, die von einem massiven Drehsessel dominiert werden.

Gestaltet vom PierreJean-Designstudio in Frankreich können die 21“ (53,3cm) breiten elektrisch gesteuerten Drehsessel um fast 270° gedreht werden, sind bezogen mit feinstem Poltrona Frau-Leder und können zum Entspannen um bis zu 135° geneigt werden.

Singapore Airlines Airbus A380 (2017) First Class Suite
Singapore Airlines Airbus A380 (2017) First Class Suite, © Andreas Spaeth

Gesteuert werden die Sitze von einer Touchswitch-Konsole in der Armlehne aus, die gleichzeitig auch den 32-Zoll-HD-Touchscreen an der Wand in den richtigen Winkel schwenken kann.

Ein drahtloses Tablet mit integrierten Kontrollfunktionen für Bordunterhaltung und Beleuchtung steht zur Bedienung aller Funktionen bereit, jede Suite lässt sich sogar in individuell steuerbare Stimmungsbeleuchtung tauchen.

Ein separates Handset reicht für die Grundfunktionen der Steuerung von Audio und Video. Wenn der Passagier auf seinem Tablet arbeiten möchte, kann das in einen unter den Fenstern angebrachten Halter gestellt werden, oder er arbeitet auf dem Laptop am großen ausziehbaren Tisch.

Zu den wichtigsten Bestandteilen der Suiten zählt ein separates, ausfahrbares Bett (1,93m x 0,68m), zu dem eine extra Matratze, Steppdecke und Kissen bereitstehen. Das Kopfende verfügt über eine Gasdruck-Feder um es hochzustellen, etwa um im Liegen einen Film anschauen zu können.

Als Singapore Airlines die A380 2007 einführte, betonte ihr damaliger CEO, dass die Doppelsuiten in der Mitte "die Romantik beim Fliegen“ zurückbrächten. Doch dieses Versprechen löste die Airline nicht wirklich ein, die ihre Besatzungen anwies, die Romantik nicht außer Kontrolle geraten zu lassen.

Jetzt ist es wiederum möglich zwischen zwei Suiten auf einer Seite die Trennwände abzusenken, wobei sich zwei Doppelbetten herstellen lassen zwischen jeweils den beiden vorderen Suiten 1A/2A und 1F/2F.

Beide Fenster in jeder Suite verfügt jetzt über elektrisch angetriebene Fensterblenden und jede Suite hat ihren eigenen Garderobenschrank, wo sich auch Handgepäck verstauen lässt.

Zum ersten Mal ist einer der beiden Waschräume, der geräumigere auf der rechten Seite, speziell für weibliche Passagiere mit einem Schminktisch mit Hocker sowie mehr Spiegeln und Stimmungsbeleuchtung ausgestattet.

Doppelbett in der Business Class

Duschen allerdings wie Emirates und Etihad bietet Singapore Airlines auch weiterhin nicht an. "Das hat für unsere Kunden bei Befragungen weiterhin keine Priorität, die wollen lieber mehr Platz und alle wichtigen Dinge in Reichweite haben“, behauptet SIA-Chef Goh.

In der Business Class wurde das bestehende Konzept beibehalten, wobei der Sitzabstand von 50“ (1,27m) Passagiere weiterhin dazu zwingt, diagonal zu schlafen, was vielen nicht gefällt. Die neuen Sitze, entworfen von JPA Design und hergestellt von JAMCO, verfügen über eine Art lärmdämmenden Kokon, um den Fluggast abzuschirmen, hergestellt aus CFK.

Singapore Airline Airbus A380 (2017) Business Class
Singapore Airline Airbus A380 (2017) Business Class, © Andreas Spaeth

Zum ersten Mal werden die Sitze, ebenfalls jetzt bezogen mit Poltrona Frau-Leder, elektrisch in die Bett-Position abgesenkt anstatt manuell wie zuvor. Während die Bettlänge mit 78“ (1,98m) gleich geblieben ist, zwei Zoll mehr als in den Suites, sind sie am Fußende sehr schmal, obwohl der Sitz mit 25“ (63,5cm) besonders breit ausfällt.

Neuheit ist eine Art ausfaltbare Ottomane zum Gang hin, die die Bettfläche vergrößert, was zuvor ein kleines ausfaltbares Dreieck tat. Erstmals kann jetzt auch die Trennwand zwischen beiden Sitzen vollständig abgesenkt werden um Passagieren gemeinsames Reisen zu ermöglichen, zuvor konnten sich beide kaum sehen.

Singapore Airline Airbus A380 (2017) Business Class
Singapore Airline Airbus A380 (2017) Business Class, © Andreas Spaeth

Es gibt außerdem eine Position, auf der die Trennwand halb heruntergefahren fixiert wird. Bei vollständigem Absenken entsteht quasi auch ein Doppelbett. Außerdem gibt es kleine Verbesserungen am Sitz beim Stauraum und einen in leuchtendem Orange-Bronze gehaltenen festen seitlichen Tisch.

ZIM-Sitze für die Premium Economy Class

Da sie bei weitem den meisten Fußraum haben und Passagiere nicht diagonal schlafen müssen sind die Mittelsitze 11D/F, 91D/F und 96D/F vor den Trennwänden die bevorzugte Wahl. Als erster A380-Betreiber lässt SIA jetzt auf dem Oberdeck die Staufächer unter den Fenstern komplett weg und gewinnt damit etwas Platz in der Kabinenbreite.

Singapore Airline Airbus A380 (2017) Business Class
Singapore Airline Airbus A380 (2017) Business Class, © Andreas Spaeth

Dank besserer Platzausnutzung und bei sogar mehr Raum für den Passagier benötigt jedes einzelne Abteil trotzdem weniger Platz als die alten Modelle. Die Premium Economy Class im vorderen Teil des Hauptdecks ist jetzt mit Sitzen des deutschen Herstellers ZIM ausgestattet, der auch die Premium Economy-Sitze der Lufthansa liefert.

Der Sitzabstand beträgt generöse 38“, Breite 19,5“, jeder Sitz verfügt über ausfahrbare Bein- und Fußstützen plus eine geräumige Sitztasche, worin sich sogar ein Laptop verstauen lässt, deren Rahmen in easyJet-Orange gehalten ist, genau wie die Armlehnen.

Singapore Airlines Airbus A380 Premium Economy
Singapore Airlines Airbus A380 (2017) Premium Economy, © Andreas Spaeth

Alle Sitze in allen Klassen bieten jetzt Touchscreens, in Premium Economy messen sie 13,3“ Diagonale, in Economy 11,1“. Die 343 Economy-Sitze werden jetzt vom deutschen Marktführer Recaro geliefert.

Die beiden besten Sitze in Economy, die nicht einmal extra Gebühr kosten, sind die Fensterplätze 71A/K, die keinen Sitz vor sich haben, obwohl sie in der zweiten Reihe vor der Trennwand stehen.

Singapore Airlines Airbus A380 Premium Economy
Singapore Airlines Airbus A380 (2017) Premium Economy, © Andreas Spaeth

Alle 471 Sitze in Singapore Airlines’ neuer A380 bieten nun Steckdosen, um elektronische Geräte aufzuladen, USB-Ports sowie kontaktlose Kartenleser um für Extras zu bezahlen.

Bisher hat Singapore Airlines Passagieren Gebühren für den Internetzugang abverlangt, aber Branchenquellen deuteten gegenüber PaxEx.de an, dass die Airline dies für Passagiere in First und Business Class bald gratis anbieten will, auch wenn SIA-Chef Goh das während der Veranstaltung nicht bestätigen wollte.

Generell ist Singapore Airlines ihrer Philosophie treu geblieben, eine der komfortabelsten Netzwerk-Gesellschaften in allen Klassen zu sein. "Wir investieren jetzt 850 Millionen US-Dollar in die neuen A380 und die Umrüstung der bestehenden vierzehn A380 bis 2020, das zeigt dass wir weiter glauben dass die A380 gut für uns ist, wenn auch in gleicher Gesamtzahl von 19 wie zuvor“, sagt SIA-Chef Goh.
© Andreas Spaeth | Abb.: Andreas Spaeth | 02.11.2017 11:22


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