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Zum Indischen Ozean mit der neuen A350 von Air Mauritius

JOHANNESBURG - Air Mauritius feierte 2017 ihren 50. Geburtstag. Mit zwei neuen A350-900 fliegt sie zudem seit Ende letzten Jahres von Johannesburg nach Mauritius und Paris. Andreas Spaeth hat sich auf dem Flug nach Mauritius die neue Business Class angesehen und bedauert, dass der Flug so kurz war.

Wie schnell sich das Schicksal wandeln kann für Airlines im Indischen Ozean zeigt das Beispiel von Air Seychelles, die ich an dieser Stelle vor einem Jahr gewürdigt habe. Damals flog die Gesellschaft mit zwei A330, unter anderem nach Düsseldorf.

Das rechnete sich gar nicht, die beiden Flugzeuge sind inzwischen wieder an den Partner Etihad zurückgegangen. Air Seychelles beschränkt sich jetzt auf regionale Flüge mit A320.

Air Mauritius Airbus A350-900
Air Mauritius Airbus A350-900 , © Andreas Spaeth

Zu den wenigen stabilen und zumeist erfolgreichen Airlines der Region gehört Air Mauritius, die 2017 stolz ihr 50jähriges Jubiläum beging. Ein wesentlicher Faktor dabei ist der große Erfolg der Insel Mauritius als Touristenziel.

Insgesamt 1,4 Millionen Sonnenhungrige werden 2018 erwartet, mehr als die Insel Einwohner hat. Emirates schickt inzwischen zweimal täglich eine A380 nach Mauritius, das zeigt das Volumen, um das es hier geht.

Umso bemerkenswerter ist es, dass sich die inseleigene Airline trotzdem behaupten kann und sogar zuletzt wieder profitabel flog. Ihre Flotte allerdings war zuletzt recht angejahrt, die fünf A340-300 sind im Schnitt 19 Jahre alt, die älteste sogar 24 Jahre.

Air Mauritius Airbus A350-900
Air Mauritius Airbus A350-900 , © Andreas Spaeth

Im Oktober 2017 erhielt Air Mauritius die erste von insgesamt sechs bestellten A350-900. Derzeit fliegen zwei - auf den täglich bedienten Routen von Mauritius nach Johannesburg und nach Paris-CDG. Von dort aus wird sie auch von vielen Umsteigern aus ganz Europa genutzt.

Im Unterschied zu den meisten anderen Ferienzielen ist bemerkenswert, dass im Mauritius-Verkehr der Premium-Markt eine wichtige Rolle spielt, da die meisten Hotels der Insel im gehobenen Segment positioniert sind.

Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class
Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

Daher verfügen die A350 über eine ausgewachsene Business Class mit 28 Sitzen in 1-2-1-Anordnung plus 298 Economy-Plätze, was deutlich den Bedarf an einem Premium-Produkt auch in einem überwiegend aus Urlaubsreisenden bestehenden Markt zeigt.

Flugbericht Air Mauritius
Airline:
Air Mauritius
Flugzeugtyp:
A350-900
Kabine:
Business Class
Datum:
9. April 2018
Route:
Johannesburg-Mauritius
Flug:
MK852

Die Reise beginnt in Johannesburg in der von Air Mauritius mitgenutzten internationalen Lounge von South African Airways, die vor allem groß ist, aber nicht sehr stilvoll. Positiv ist das große Essensangebot auch an warmen Speisen jetzt zur Mittagszeit sowie die riesigen Panoramafenster mit Blick aufs Vorfeld.

Und genau auf die am Gate bereitstehende zweite A350 von Air Mauritius mit Taufnamen Pieter Both, die erst Ende November 2017 geliefert wurde, also nicht einmal fünf Monate alt ist.

Der Weg von der Lounge zum Einsteigen eine Etage tiefer ist nicht weit, der Einstieg für Business-Passagiere nicht klar abgegrenzt, man muss sich an der langen Economy-Schlange vorbeidrängen. Am Schalter gibt es eine Seite offenbar für Premium-Kunden wo niemand steht, aber sie ist nicht beschildert. Das Einstiegen ab hier geht zügig.

Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class
Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

Die gesamte vordere Kabine zwischen Tür 1 und 2 beherbergt die Business Class. Die sieben Reihen sind mit Stelia Solstys III-Sitzen ausgestattet, im Mittelbereich gibt es in den Reihen 2, 4 und 6 jeweils zwei direkt zusammenstehende Sitze, ideal für gemeinsam Reisende.

Alle anderen Sitze sind im Prinzip für Einzelreisende gedacht, mit viel Privatsphäre, was allerdings verkennt dass im Urlauber-Premiummarkt fast alle Reisenden Paare sind. So hört man häufig während des Fluges Paare miteinander sprechen, die hintereinander sitzen.

Ich reise allein, und für mich ist mein Sitz 4J rechts am Fenster perfekt. Vor allem weil es einer von den nur sechs Plätzen ist, wo die Sitze direkt am Fenster stehen während Ablage und Abteilwand einen zum Gang hin gut abgrenzen. Diese Fensterplätze finden sich ebenfalls in den Reihen 2, 4 und 6.

Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class
Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

In den anderen Reihen befindet sich die Ablage direkt am Fenster und der Sitz am Gang. Offiziell beträgt der Sitzabstand nur 44 Zoll (61cm), durch die versetzte Anordnung allerdings gewinnt man viel Fußraum. Anders als in anderen aktuellen Business Class-Abteilen haben die Füße, selbst meine mit Größe 46, auch nach oben reichlich Platz.

Beim Umschauen in der Kabine, die für ein sonniges Urlaubsziel erstaunlich dezent um nicht zu sagen trist in Grau- und Beigetönen daherkommt, fallen an den Trennwänden einige farbige Kunstwerke auf von Künstlern aus Mauritius, die wenigstens ein wenig Farbe in die Kabine zaubern.

"Mauritianisierung“ des Produkts nennt das der CEO der Gesellschaft, und das zeigt sich noch in weiteren Details und soll ausgeweitet werden. Auch die Besatzung selbst spiegelt den Schmelztiegel wider, der die Bevölkerung dieser Insel ausmacht.

Eine Flugbegleiterin etwa ist Chinesisch-stämmig, aber aus Mauritius. Vor dem Start werden Wasser, Saft und Champagner gereicht, der Pushback der fast vollen Maschine erfolgt drei Minuten vor der Startzeit.

Auf dem großen 17-Zoll-Bildschirm lässt sich eine Kamerafunktion aufrufen – die allerdings im Gegensatz zur A380 (u. a. mit Heckkamera) ausschließlich den Blick nach unten zeigt, am Boden also nur Beton.

Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class
Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

Wesentlich reizvoller ist da die interaktive Flugkarte, wo sich quasi die ganze Welt per Fingerwischen heranzoomen lässt oder das große Ganze betrachten, aus fast jeder gewünschten Perspektive. Und zwar sowohl auf dem großen Bildschirm als auch auf dem Smartphone-ähnlichen "Second Screen“ der Fernbedienung für alle Sitzfunktionen.

Allerdings ist der Inhalt des Programms nicht ganz aktuell – so erfährt man unter "Unsere Flotte“ mit Stand Juni 2017 dass Air Mauritius bald zwei A350 beschaffen will, während man bereits in einem sitzt.

Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class
Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

Auch verspricht das System WLAN an Bord, sogar gratis in der Anfangsphase. Leider gelingt es niemandem, sich einzuloggen. Eine Flugbegleiterin erklärt, das Internet ginge in diesem Flugzeug nie.

Der CEO sagt später, es läge an mangelhafter Satelliten-Abdeckung über dem Indischen Ozean, er sei in der Maschine auf dem Weg nach Paris gerade online gewesen.

Nach dem pünktlichen Abheben werden heiße Waschlappen gereicht, danach (kalte) Cashew-Nüsse und Getränke, ich gönne mir ein (mit Hibiskusblüten graviertes) Glas Duval-Leroy Brut Champagner.

Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class
Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

Dann probiere ich den "Tropical Punch“, angeblich mit "Zuckerrohr-Rum und natürlichen Zutaten“, doch schmecken tut es nur nach süßem Saft, vielleicht haben sie vergessen den Rum hinzuzufügen.

Sehr gut gefällt mir an diesem Sitz die einfache Handhabung des Tisches, dessen Ausklappen aus der Wand selbsterklärend ist, während ich anderswo zuletzt oft vergeblich an Hebeln und Knöpfen zerrte, um den Tisch zu nutzen.

Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class
Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

40 Minuten nach dem Start kommt das Essenstablett mit der Vorspeise, bei der es leider keine Auswahl gibt: "Smoked Chicken Supreme“. Ich mag kein Huhn, versuche mich mit dem Rest zu begnügen, der seltsamerweise aus Eiersalat besteht, dazu ein Tomaten-Mozzarella-Spieß. Nicht wirklich überzeugend, aber hier alternativlos.

Da trifft das Hauptgericht schon eher meinen Geschmack, "Kochen ohne Grenzen“ nennt Air Mauritius ihr gastronomisches Konzept. Die Auswahl bestand aus Huhn (Tajine mit Aprikosen, Gemüse und Reis), Lachsforelle mit Gemüse und Gnocchi, Moussaka von Brokkoli und Artischocke mit Reis oder Enten-Confit.

Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class
Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

Ich entscheide mich für die Ente und bin angetan, denn das ausgelöste Entenfleisch ist lecker, auch wenn von der versprochenen "pfeffrigen roten Paprikasauce“ wenig zu sehen oder zu schmecken ist.

Aber da gibt es Abhilfe, denn dankenswerterweise haben Airlines aus dieser Region immer frische Chilli-Saucen an Bord, sogar in grün und rot bei Air Mauritius, von denen ich auf Nachfrage beide gereicht bekomme.

Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class
Air Mauritius Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

Sie machen aus meinem Essen das Gegenteil von langweiligem Airline-Essen. Dazu gibt es vier Weine, alles Franzosen, zwei Rote und zwei Weiße, ich probiere einen leckeren Viré-Clessé 2016.

Ein kleiner Käseteller und das "süße Trio von Frivolitäten“ (so steht es im Menü, u. a. Ananas-Tarte Tatin und Schokomousse) als Dessert runden das Mahl ab. Wirklich mauritianisch ist es aber erst mit einem Glas Labourdonnais Vanilla Rum als Digestif, der Lust auf mehr macht.

Beinahe bereue ich, dass dieser Flug so kurz ist, wir haben schon Madagaskar überflogen als ich für kurze Zeit mein Bett ausfahre, es ist etwa 1,90 Meter lang und recht bequem, die äußere Armlehne fährt automatisch ein und verbreitert die Liegefläche.

Kaum werde ich schläfrig, beginnt der Landeanflug und ich muss mich wieder aufrecht hinsetzen. Dank des modernen Terminals in Mauritius geht am Boden alles zügig vonstatten, nachdem wir nach nur drei Stunden und 21 Minuten überpünktlich gelandet sind.

Bis sich mir plötzlich am Ausgang zwei bullige Herren gegenüberstellen, sich als Polizei Mauritius ausweisen und fragen ob ich allein reise. Diese simple Tatsache scheint hier schon verdächtig. Auch, dass ich nicht wie die meisten anderen Ankömmlinge Berge von Koffern dabei habe - aber sie lassen mich nach kurzer Befragung gehen.

Vor dem Rückflug probiere ich die Air Mauritius Amédée Maingard Lounge am Heimatflughafen aus und bin beeindruckt. Sehr großzügig, selbst zur Hauptverkehrszeit nicht überfüllt, und ungewöhnlich viele Kinder, für die es sogar eine abgeteilte und weiträumige Spielfläche gibt.

Das Angebot an der Bar mit Cocktails und Champagner sowie das vielfältige und leckere Buffet überzeugen. Economy-Passagiere können sich für umgerechnet rund 40 Euro den Eintritt nach Verfügbarkeit kaufen, das lohnt sich bei längerem Aufenthalt.

Bewertung

Das neue A350-Produkt von Air Mauritius überzeugt und ist ein Quantensprung von den derzeit veralteten Kabinen vor allem in den betagten A340 der Gesellschaft. Gut dass Air Mauritius ihre zwei verbleibenden A340 bis Jahresende innen auf A350-Standard bringt und 2019 zwei weitere A350 bekommt.
© Andreas Spaeth | Abb.: Andreas Spaeth | 23.04.2018 08:12

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Beitrag vom 23.04.2018 - 13:38 Uhr
Hallo Herr Spaeth,
die Spaethfolgen auf Airliners.de fand ich meist sehr amüsant und spannend. Schade, dass es die nicht mehr gibt, denn die Nachfolgekolummne war schon langweiliger.

Ihre ewigen Beschreibungen wie toll oder weniger toll sie in irgendeiner Lounge oder Business oder First Class unterwegs sind, finde ich allerdings langsam lästig und langweilig und sie klingen irgendwie nach „ich bin ein so toller und wichtiger Luftverkehrsjournalist und das sollen alle wissen...“

Machen Sie doch mal wieder was, was auch für die breite Masse interessant ist. Wenn Sie die Flüge selbst bezahlen müssten, würden Sie wohl auch eher Eco oder Premium Eco fliegen und nicht in einer Lounge abhängen und sich beim Boarding an den doofen Eco Paxen vorbei drängeln.

Manches Ihrer letzten Werke wirkt schon ein wenig arrogant und narzisstisch...

In diesem Sinne weiter gutes Gelingen!



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