@SpaethFlies
   Tests 

Auslieferungsflug des ersten "wegweisenden" A350 von SIA

SINGAPUR - SIA ist der größte Kunde für die A350-900 mit 67 Orders, inklusive der Version für Ultra-Langstrecken. Andreas Spaeth war bei der Auslieferung von Toulouse nach Singapur an Bord.

Erst seit 14 Monaten befindet sich der Airbus A350 im Auslieferungs-Modus, aber seit kurz vor Weihnachten 2014 das erste Flugzeug an Qatar Airways ging werden Erstauslieferungen an neue A350-Kunden beinahe schon zur Routine bei Airbus. Nach Qatar Airways, Vietnam Airlines, Finnair und TAM trat SIA dem exklusiven Club der A350-Betreiber Anfang März bei.

Singapore Airlines Airbus A350-900 9V-SMA
Singapore Airlines Airbus A350-900 9V-SMA, © Andreas Spaeth

Bei der Übergabe von Flugzeug Nummer 16, MSN 026, der A350-941 mit dem Kennzeichen 9V-SMA an SIA, war die Aufregung deutlich geringer als zuvor. Besonders im Kontrast zum letzten Meilenstein einer Erstauslieferung an SIA in Toulouse, der Weltpremiere für die A380 im Herbst 2007.

Didier Evrard, oberster Programmchef bei Airbus und zuvor Leiter des A350-Programms, sagte während der Übergabezeremonie: "SIA als Kunden zu haben ist die bestmögliche Empfehlung für die A350."

Für SIA bedeutet die A350 tatsächlich eine neue Dimension. "In den letzten fünf Jahren haben wir auf Langstrecken nur sehr wenig expandiert, wir hatten einfach nicht das richtige Flugzeug mit der richtigen Effizienz, um in wirtschaftlich sinnvoller Weise zu wachsen", sagt SIA-CEO Goh Choon Phong. "Die A350 ist wirklich wegweisend für uns, denn genau dieses Flugzeug bietet uns die richtige Größe, Effizienz und Kabine, um auf der Langstrecke mehr Kapazität hinzuzufügen."

Singapore Airlines CEO Goh Choon Phong
Singapore Airlines CEO Goh Choon Phong, © Andreas Spaeth

In der Tat wird die A350 eine neue Route für SIA eröffnen, von Singapur nach Düsseldorf im Juli dieses Jahres. "Diese Strecke wäre ohne die A350 für uns nur schwer zu bedienen gewesen", fügt Goh hinzu.

Die 253 Sitze der A350 (42 in Business Class, 24 in Premium Economy und 187 in Economy) bieten nahezu die perfekte Größe, um neue Routen abseits der Rennstrecken zu eröffnen oder die Frequenzen mit Zusatzflügen zu bestehenden Zielen aufzustocken. Die erste Langstrecke für den Neuzugang in der SIA-Flotte ist seit dem 9. Mai Amsterdam, wo sie eine Boeing 777-300ER ersetzt.

Sijgapore Airlines A350-900 Delivery
Singapore Airlines A350-900 Flight Crew, © Andreas Spaeth

SIA ist der bisher größte Kunde mit 67 festen Orders für die Basisversion A350-900. Interessanterweise wird die Gesellschaft die A350 auf allen Arten von Routen einsetzen, von Regionalstrecken innerhalb Asiens über Langstrecken bis hin zu ultralangen Routen.

SIA ist der Launch Customer für eine ganz neue Version, die A350-900ULR. "Strategisch ist die ULR für uns sehr wichtig, weil die USA ein derart bedeutender Markt sind und wir planen, 2018 wieder Nonstop-Dienste von Singapur nach New York, Los Angeles und einer weiteren Stadt einzuführen, die wir noch ankündigen werden", sagt Goh.

Singapore Airlines A350-900 Delivery
Singapore Airlines A350-900 Delivery, © Andreas Spaeth

SIA hatte die 18 Stunden und länger dauernden Nonstop-Flüge vom Changi Airport nach Newark sowie die etwas kürzere Route nach Los Angeles 2013 eingestellt. Die Kerosinpreise waren so hoch und die dafür eingesetzten vierstrahligen A340-500 daher so ineffizient, dass die Route nicht länger kostendeckend war.

Die A350-900 wird neben der gegenwärtigen Langstrecken-Basisversion mit 253 Sitzen gleich in zwei weiteren Versionen in die SIA-Flotte integriert. "Es ist klar dass die ULR weniger Sitze haben wird als die reguläre Version, und dann wird es auch noch die Regionalversion mit mehr Plätzen geben," so Goh, "wir können die Anzahl, die wir von den einzelnen Versionen bekommen, immer noch flexibel der Nachfrage anpassen."

Interessanterweise kann die ULR-Version problemlos wieder in die -900-Basisversion zurück verwandelt werden, indem einfach ein Teil der Tankkapazität stillgelegt wird. Anders als andere Ultra-Langstreckenflugzeuge verfügt die A350-900ULR nicht über physisch größere oder zusätzliche Tanks, die ULR nutzt einfach die vorhandenen Kapazitäten bis zum Maximum aus.

Singapore Airlines A350 Flight Crew
Singapore Airlines A350 Flight Crew, © Andreas Spaeth

Aber das liegt alles noch recht weit in der Zukunft, gegenwärtig hat die Einführung der A350 in die SIA-Flotte Priorität. Dort wird sie bis zu 29 Boeing 777-200ERs und 32 A330-300 ersetzen, von denen letztere alle geleast sind. "Gegenwärtig haben wir etwa 40 Piloten, die qualifiziert sind die A350 zu fliegen, alle umgeschult von der A330 dank des gleichen Type Ratings", erklärt SIA-A350-Chefpilot Paul Ho auf dem Auslieferungsflug im Anflug auf Singapur. "Am Ende des Jahres, wenn wir elf A350 bekommen haben, werden wir etwa über 100 Piloten verfügen um sie zu fliegen," so Ho.

Überführungsflug SQ8895

Auf dem Überführungsflug SQ8895 von Toulouse nach Singapur waren etwa 70 Passagiere an Bord. Die luxuriöse Kabine der Business Class, mit ihrer Sitzanordnung von 1-2-1 pro Reihe, aber für die Passagiere mit dem Zwang, in diagonaler Lage zu schlafen, war beinahe voll ausgelastet.

Singapore Airlines A350 Business Class
Singapore Airlines A350 Business Class, © Andreas Spaeth

Das Kabinenprodukt ist identisch mit dem der jüngsten Boeing 777-300ER von SIA, mit kleinen Verbesserungen. SIA plant die Einführung komplett neuer Produkte in First und Business Class, wenn die ersten von fünf erwarteten neuen A380 ab der zweiten Hälfte 2017 ausgeliefert werden. Noch wollte der CEO nicht verraten, ob dabei das diagonale Liegen beibehalten wird, das manche Passagiere wenig schätzen.

Die neue Premium Economy Class hat sich für SIA als Erfolg erwiesen, bei einer Reduzierung der Sitzanzahl in Economy Class, was faktisch bedeutet dass die Asiaten das billigste Marktsegment zunehmend den Golf-Gesellschaften überlassen. "Wir reagieren darauf was uns unsere Kunden sagen", kommentiert der CEO.

SIAs Premium Economy, mit Sitzen des gleichen deutschen Herstellers ZIM, der auch die Premium Economy-Sitze für Lufthansa liefert, ist in ihrer Anmutung recht luxuriös und punktet mit 38 Zoll (96,5cm) sowie französischem Champagner als Teil des Bordservices.

Singapore Airlines A350 Premium Economy
Singapore Airlines A350 Premium Economy, © Andreas Spaeth

Der Service auf dem Auslieferungsflug dagegen bescherte allen an Bord Schampus aus Plastikbechern, außerdem zwei Auswahlmenüs, die von Airbus geliefert wurden. Nichts das längerer Betrachtungen wert wäre, aber schön präsentiert.

Offensichtlich wollte SIA nicht einen derartigen Aufwand treiben wie es etwa Qatar Airways gern auf Auslieferungsflügen mit Gästen macht, mit einem eigens gedruckten Menü und einem noch exquisiteren Catering als es die Golf-Gesellschaft schon auf regulären Flügen in den vorderen Klassen servieren, die Passagiere der Abholungsflüge werden oft sogar mit Kaviar verwöhnt.

12 Stunden und 13 Minuten Flugzeit


Die Route, die Flug SQ8895 von Frankreich nach Südostasien nahm, verlief weit südlich, vermied etwa den Irak, aber nicht beispielsweise Ägypten. Nach Einbruch der Dunkelheit nutzten die meisten Passagiere die verschiedenen Optionen des Krisworld-Unterhaltungssystems oder schliefen.

Singapore Airlines Airbus A350-900
Singapore Airlines Airbus A350-900, © Andreas Spaeth

Nachdem ein französisches Frühstück samt Croissants abgeräumt war, landete der Auslieferungsflug exakt zwölf Stunden und 13 Minuten nach dem Abheben auf seiner neuen Basis am Changi Airport. Ein feierlicher Empfang in Anwesenheit des Verkehrsministers von Singapur rundete die Premiere des Airbus der neuesten Generation bei einem der treuesten Kunden seit den Anfangstagen des Airbus A300 in den späten siebziger Jahren ab.

Bevor die Langstrecken-Linienflüge nach Amsterdam starten, können Passagiere das neue Flugzeug auf kurzen Hüpfern zwischen Singapur und Kuala Lumpur sowie Singapur und Jakarta erleben, die bedient werden, damit die frischgebackenen SIA-A350-Piloten genügend Starts und Landungen in ihr Logbuch bekommen.

Andreas Spaeth


Andreas Spaeth fliegt. Viel. Auf PaxEx.de schreibt Spaeth, einer der führenden Luftfahrtjournalisten in Europa, über seine Erlebnisse als Passagier rund um den Globus.

Auf Twitter ist der Autor als @SpaethFlies unterwegs.

© Andreas Spaeth | Abb.: Andreas Spaeth | 01.04.2016 10:56


Leser-Kommentare (0) Zur Startseite

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei paxex.de registrieren oder einloggen.

Meistgelesene Artikel

Forum

Shop

#PaxEx bei Twitter