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Rückbesinnung auf alte Tugenden – A380 von Malaysia Airlines

KUALA LUMPUR - "Durch die beiden Katastrophen 2014 sind wir vielleicht bekannter geworden, als es eine Airline unserer Größe üblicherweise ist", sagt der deutsche CEO von Malaysia Airlines, Christoph Müller. Auch wenn der alte Lehrsatz lautet, schlechte PR sei besser als gar keine PR, so ist der Fall der asiatischen Airline weltweit ohne Beispiel.

Und diese Art der Bekanntheit sicher nicht geschäftsfördernd. Von solchen Tiefschlägen erholt sich vermutlich keine Fluggesellschaft. Dachte man damals. Doch inzwischen führte Christoph Müller durch radikale Verkleinerung die Gesellschaft wieder nahe an den Breakeven heran.

Malaysia Airlines Airbus A380
Malaysia Airlines Airbus A380, © Airbus

"Malaysia Airlines hat eine stolze Vergangenheit und galt neben Singapore Airlines früher als Inbegriff asiatischer Servicekultur", so Müller. Darauf lässt sich aufbauen, auch ohne Änderung des Markenauftritts.

Ihre gesamte Boeing 777-Flotte hat Malaysia Airlines stillgelegt, in Europa wird nur noch London-Heathrow bedient, und zwar zweimal täglich je Richtung mit der A380. Das sind jeden Tag insgesamt 1.976 Plätze, die gefüllt werden müssen. Und sehr oft nicht gefüllt werden - auf meinem Nachtflug nach Kuala Lumpur am Pfingstmontag ist beinahe das gesamte Hauptdeck weitgehend menschenleer, nicht einmal in jeder Zehnerreihe sitzt jemand.

Doch Christoph Müller bestreitet, dass die London-Route nur aus Prestigegründen oder aus politischen Erwägungen aufrecht erhalten wird. "Sehr viele Malaysier studieren in London und Malaysia liegt beim Investment in britische Immobilien auf Platz 2", weiß der CEO.

Was er allerdings zugibt: "Die A380 ist nicht ideal für die Strecke, die wurde 2001 bestellt für die Känguru-Route von London via Kuala Lumpur nach Australien, doch die haben seitdem die Golf-Carrier weitgehend übernommen", so Müller. 2018, wenn die neu bestellten sechs Airbus A350 eintreffen, sollen die sechs A380 verkauft werden.

Nach Terminen in Kuala Lumpur fliege ich Freitag abend um kurz vor Mitternacht aus Asien nach Europa zurück. Im Gegensatz zu regionalen Drehkreuzen wie Singapur oder Bangkok bietet auch Kuala Lumpur alle Annehmlichkeiten, aber ist sehr viel überschaubarer, mit sehr viel weniger Menschen, sehr angenehm.

Knapp drei Stunden vor Abflug treffe ich mit dem Schnellzug KLIA Ekspres am Airport ein. Niemand wartet am Business Class-Schalter, binnen Sekunden bekomme ich meine Bordkarte, Gepäck gebe ich nicht auf. Nicht weit ist es von hier zur Passkontrolle, dort stehen vor den Schaltern jeweils ein halbes Dutzend Menschen an.

Riesige, gut bestückte Lounge

Eher zufällig entdecke ich, dass es auch eine Priority Lane für Business- und First-Kunden gibt, wo niemand steht. Mit dem People Mover fahre ich anschließend ins Satelliten-Terminal, wo sich auch mein A380-Gate befindet. Ich will die Zeit bis zum Abflug mit Essen und Arbeiten in der Golden Lounge von Malaysia Airlines verbringen.

Die zu finden ist nicht einfach, ich sehe keine Schilder, irgendwann finde ich im ersten Stock in einer Ecke den Eingang. Da hätte ich doch gern mit meiner Bordkarte eine kurze Wegbeschreibung erhalten.

Die Lounge ist riesig und ziemlich leer, selbst jetzt zur abendlichen Rush Hour. Alkoholische Getränke, wir sind in einem muslimischen Land, gibt es nur an einer Bar vor der eigentlichen Lounge, aber die Barkeeper haben alles, auch kalten französischen Champagner.

Aufgrund der Ausmaße ist es gar nicht leicht zu sehen, was die Lounge bietet. Ich bin begeistert, als ich entdecke, dass es hier an einem offenen Küchentresen frisch von einem Koch zubereitete Laksa gibt, eine heiße, aromatische Suppe und malaysische Spezialität. Köstlich. Dazu ein kaltes Tiger-Bier und etwas pikanten Papaya-Salat, ein sehr guter Start für eine lange Reise. Sogar einige internationale Zeitungen liegen hier aus, die Lounge gefällt mir!

Schließlich ist es Zeit zum Gate zu gehen, die Sicherheitskontrolle findet erst hier statt. Über eine ansteigende Fluggastbrücke begebe ich mich direkt ins Oberdeck zu meinem Sitz 11A. Für mich ist in der A380 ein Fensterplatz auf dem Oberdeck ein Muss, denn die großzügigen Staufächer und Ablagen unterhalb der Fenster erweitern den persönlichen Freiraum erheblich, sogar im Economy-Abteil des Oberdecks.

Malaysia Airlines Airbus A380
Malaysia Airlines Airbus A380 Business Class, © Andreas Spaeth

Heute Abend ist die A380 nach London rappelvoll, ein extremer Kontrast zum Hinflug. Die 66 Business Class-Sitze teilen sich auf zwei Abteile auf, drei Reihen á 2-2-2 ganz vorn, acht Reihen nach den Bordküchen dahinter.

Vor dem Start wird lediglich Wasser und Guaven-Saft angeboten, keine Zeitungen, kein Alkohol. Dann meldet sich der Kapitän, es gäbe eine kleine Verspätung, die Route müsse noch endgültig festgelegt werden. Auf den Bildschirmen am Platz erscheint in Arabisch, Malay und Englisch der Text eines "Reisegebets".

Mit etwa 15 Minuten Verzögerung geht es los, gewohnt flüsternd hebt die A380 ab. Anschließend werden sehr stilvolle Kulturtaschen von Porsche Design verteilt, dazu Menükarte und Kopfhörer. Leider beginnt der Service trotz der späten Abendstunde nur sehr gemächlich, erst 45 Minuten nach dem Abheben kommen erstmals Getränke, ich nehme den sehr guten Philipponat Royale Réserve Champagner.

Dazu wird der "Signature Dish" von Malaysia Airlines gereicht, Satay-Spieße vom Huhn und Rind.

Malaysia Airlines Airbus A380
Malaysia Airlines "Signature Dish", © Andreas Spaeth

Die werden in Kuala Lumpur im Catering-Betrieb auf Mangroven-Holzkohle gegrillt, was ich mir am gleichen Tag anschauen durfte. Dort heiß probiert schmecken die Spieße natürlich unvergleichlich besser als an Bord, gekühlt und wieder aufgewärmt. Dann dauert es noch eine ganze Stunde, bis das Essen serviert wird, gegen 1.30 Uhr morgens malaysischer Zeit, viel zu spät. Viele Passagiere sind bereits vorher eingeschlafen.

Das Menü auf diesem langen Nachtflug nennt sich "Dine Anytime", es enthält elf Optionen, vor allem leichtere Gerichte, etwa asiatische Nudeln oder Suppen, aber auch Pasta und Rind werden geboten. Ich habe bereits zuvor das Angebot genutzt, mir mein Menü online zusammenzustellen.

"Book the Cook" ist sehr populär bei Singapore Airlines, und Malaysia Airlines bietet mit "Chef on Call" etwas ähnliches für die Premium-Klassen. Ich wähle also nur eine Vorspeise aus der Karte aus, Crabmeat-Avocado-Salat mit Fenchel, gehobeltem Parmesan und Coulis aus roter Paprika. Sieht schön aus und schmeckt.

Als Hauptgericht hatte ich online Nasi Lemak geordert. Das ist in Asien eher ein Frühstücksgericht, aber morgens könnte ich das nicht essen. Es besteht aus in Kokosmilch gekochtem Reis, dazu eine scharfe Sambal-Sauce mit Krabben, Erdnüssen, einem halben harten Ei und kleinen knusprigen Trockenfischchen. So etwas liebe ich, gerade wenn es schön scharf ist, das fühlt sich angenehm warm an im Magen.

Ein echter Lapsus

Leider ist der Getränkeservice etwas erratisch, und das obwohl viele Passagiere bereits schlafen. Während des ganzen Essens wird mir nur einmal Wein angeboten, ein grandioser Chaud Pouilly-Fumé 2014 von der Loire. Zum Abschluss noch ein paar frische Früchte und ein Becher Häagen Dazs-Erdbeereis, meine Lieblingssorte, zum Finale ein Gläschen hervorragender Malt Whisky, Glenlivet 18 Years. Mir geht's gut heute Nacht.

Das heißt so lange, bis ich mich schlafen legen will, denn nun stellt sich heraus, dass ich wirklich Pech habe. Die A380 wird zwar mit ihrem Mood Lighting beworben und den von der deutschen Firma Diehl hergestellten LED-Lampen. Nur das ausgerechnet heute Nacht genau über meinem Sitz partout die Leuchtröhre penetrant in hellem Neonschein strahlt, während der Rest der Kabine verdunkelt ist, ist ein echter Lapsus.

Auch ein Neustart des Beleuchtungssystems nützt nichts. Ich bitte um einen Sitz anderswo, weiß aber dass alles voll ist. Leider wird mir auch keine Einladung in die hoffentlich dunkle First Class zuteil, die Kabinenbesatzung entschuldigt sich zwar sehr, aber das Problem löst das nicht. Irgendwann finden sie sogar irgendwo einen freien Platz in Business Class, aber ich habe alle meine Sachen an meinem Sitz verteilt und will jetzt nicht mitten in der Nacht umziehen.

Zum Glück hält die Schlafmaske das Licht tatsächlich ab. Aber einen etwas offensiveren Umgang der Crew mit dem doch sehr ärgerlichen Problem hätte ich mir schon gewünscht. Das Bett selbst lässt sich auf 183 cm Liegefläche ausfahren, mit hochgeklappten Armlehnen bietet es eine angenehm breite Liegefläche.

Aber wie so oft bei Full-Flat-Sitzen, die keine feste Ottomane am Fußende haben, ist das untere Ende des Bettes auch hier nicht ganz eben, sondern zeigt leicht nach unten. Zum Schlafen winkle ich die Knie lieber an, nicht immer bequem.

Malaysia Airlines Business Class
Malaysia Airlines Business Class, © Andreas Spaeth

Ich bemühe mich trotzdem, möglichst lange zu schlafen, doch etwa anderthalb Stunden vor der Landung bin ich bereit zu frühstücken. Auch hier hat die Crew ohne weitere Nachfrage automatisch meinen online bestellten Wunsch parat, Waffeln mit Sirup, Beerenkompott und gebackenen Bananen. So etwa esse ich sonst nie, es sah auch auf der Bestellseite ganz anders aus, trotzdem ist es durchaus lecker.

Als ich noch um das im Menü angebotene Schnittchen Roggenbrot mit Lachs und Frischkäse bitte, ist die Flugbegleiterin verwirrt und entschuldigt sich: "Es steht soviel im Menü." Nach zwölf Stunden und 52 Minuten setzt die A380 eine paar Minuten vor der geplanten Zeit auf der regennassen Bahn von Heathrow auf und rollt zum Terminal 4.

Bewertung

Malaysia Airlines bietet in ihren A380 alles, was das Reisen angenehm macht. Das Business-Produkt, obwohl einige Jahre alt, ist sehr solide, nur die Serviceabläufe gerade auf Nachtflügen sollten dringend gestrafft werden. Der Flughafen Kuala Lumpur ist angenehmer als die meisten größeren asiatischen Drehkreuze. Dazu kommen oft günstige Flugpreise, alles zusammen macht Malaysia Airlines zu einer guten Option von Europa nach Asien oder Australien.

Flugreport

Airline: Malaysia Airlines
Flugzeugtyp: Airbus A380
Kennzeichen: 9M-MHC
Kabine: Business Class
Datum: 20. Mai 2016
Route: Kuala Lumpur-London/Heathrow
Flug: MH002

Andreas Spaeth


Andreas Spaeth fliegt. Viel. Auf PaxEx.de schreibt Spaeth, einer der führenden Luftfahrtjournalisten in Europa, über seine Erlebnisse als Passagier rund um den Globus.

Auf Twitter ist der Autor als @SpaethFlies unterwegs.
© Andreas Spaeth | Abb.: Andreas Spaeth | 17.06.2016 10:06


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