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Mit "Cap Classique" vom Kap nach Europa

JOHANNESBURG - Kurz vor meinen Rückflug aus Südafrika sagte ein Freund vom Kap: "Ich fliege so oft SAA, eigentlich sind die ja lange Pleite, aber irgendwie machen sie es trotzdem gut." Ich verfolge die endlose Geschichte, wie Südafrikas nationale Airline versucht, wirtschaftlich auf den grünen Zweig zu kommen, seit den neunziger Jahren.

Noch nie in dieser Zeit machte SAA anhaltend Gewinne, immer war sie politischer Spielball, immer von Missmanagement, Korruption und Ineffizienz geprägt. Das liest man vor allem in Südafrika auch ständig in der Zeitung. Und trotzdem fliegt sie ohne Unterbrechung, und massive Klagen von Kunden sind zumindest international nicht zu hören.

South African Airways Airbus A330-200
South African Airways Airbus A330-200, © Andreas Spaeth

Allerdings ist ihr Streckennetz massiv geschrumpft, in Europa werden überhaupt nur noch Frankfurt, München und London bedient. Ich kann mich noch erinnern, als SAA mit der Boeing 747-200 Johannesburg-München-Hamburg flog, vor rund 20 Jahren.

Diesmal, wie meistens, wollte ich von Kapstadt aus nach Deutschland. Leider hat SAA aber auch die letzte nonstop bediente Langstrecke ab Kapstadt nach London lange gestrichen, jeder Kunde muss also wohl oder übel via Johannesburg fliegen. Das nutzte ich dann noch für Tagestermine in der Metropole.

Der erste Dämpfer schon am Flughafen in Kapstadt morgens, völlig unerwartet: Nein, leider könne man mein Gepäck nicht jetzt schon bis Europa durchchecken, das sei "zu früh". Auf dem Hinweg, aus Hamburg via München nach Südafrika, war das noch überhaupt kein Problem, mit einem vollen Tag in München.

Aber der OR Tambo International Airport in Johannesburg ist stark überlastet, gleichzeitig von notorischen Diebstahls-Problemen im Gepäckbereich geplagt. Deshalb nimmt man erst ab vier Stunden vor Abflug Gepäck entgegen, wurde mir dann in Johannesburg erklärt. Also mühsam den Koffer anderswo gelassen und nachmittags erst aufgegeben.

South African Airways Airbus A330-200
South African Airways Airbus A330-200 Business Class, © Andreas Spaeth

Abends gehen alle Flüge nach Europa raus, absolute Rush Hour am Flughafen. Ich war mehrere Stunden vor Abflug um 19.55 Uhr da und damit früh dran, dankenswerterweise ersparte mir das die oft lange Schlange an der Sicherheitskontrolle, eine Priority oder Fast Lane gibt es hier nicht.

Die Baobab Lounge der SAA im internationalen Bereich ist vor allem groß, und das ist gut wenn es voll wird, ein Platz findet sich eigentlich immer. Am Eingang eine bewachte Handgepäck-Aufbewahrung, eine gute Idee. Leider ist die gesamte Lounge mit Neonlicht hell beleuchtet und daher nicht sehr gemütlich.

Getränke gibt ein Barkeeper aus, freundlich und effizient, das Essensangebot ist reichhaltig, mit warmen und kalten Speisen. Sehr mager das Zeitungsangebot - außer lokalen Blättern ist lediglich der Corriere della Sera aus Italien zu finden, obwohl SAA dort gar nicht hinfliegt, sowie Sport-Bild auf Deutsch, zu wenig für eine globale Airline.

Innerhalb von einer halben Stunde bietet SAA gleich zwei Abflüge nach London, weil sie keine größeren Flugzeuge mehr hat als die A340-600. Mein Flug ist der frühere von beiden und wird mit dem modernsten Langstrecken-Gerät durchgeführt, das SAA besitzt, einer A330-200.

South African Airways Airbus A330-200 Business Class
South African Airways Airbus A330-200 Business Class, © Andreas Spaeth

Nur wenige Schritte von der Lounge entfernt wartet mit der ZS-SXV ein Flugzeug jünger als fünf Jahre, während die A340-600 auf meinem Hinflug schon über 13 Jahre auf dem Buckel hatte. Die Kabine besteht nur aus zwei Klassen, vorn stehen, aufgeteilt auf zwei Abteile, insgesamt 36 Business Class-Sitze in konventioneller 2-2-2-Anordnung, jeweils in drei Reihen hintereinander.

Ich sitze auf Platz 6K, in der letzten Business-Reihe hinten links am Fenster. SAA hat seit der Einführung der A340-600 zu Beginn des Jahrhunderts ihr Produkt kaum verändert, auch eine Folge von Geldmangel und unklarer Planung.

Die Sitze in der A330 sind etwas moderner als in der A340, erkennbar an ihren eleganten beigefarbenen Lederbezügen, im Gegensatz zum schwerer wirkenden Blau im Vierstrahler. Offiziell weist SAA für die A330 allerdings einen Zoll weniger Sitzabstand aus als in der A340, mit 73 Zoll (185cm) im Zweistrahler.

Kulturbeutel aus Knautsch-Kunstleder

Das Flugzeug scheint voll, als es pünktlich losgeht. Vor dem Start die übliche Runde aus Getränken (Sekt, Wasser, Saft) und lokalen Zeitungen. Nach dem Abheben werden Menüs verteilt, die Waschtaschen sind am Sitz ausgelegt. Letztere sind vermutlich die Hässlichsten, die ich seit langer Zeit gesehen habe, kackbraunes Knautsch-Kunstleder, ein seltsames Hochformat dazu.

South African Airways Airbus A330-200 Business Class
South African Airways Airbus A330-200 Business Class, © Andreas Spaeth

Es ist alles drin was man braucht, aber die Tasche an sich ist ein Design-Verbrechen. Ganz anders das Menü, sehr elegant präsentiert, auch SAA schmückt sich ähnlich wie Lufthansa gern mit Starköchen, diesmal hat Reuben Riffel aus Franschhoek einige Gerichte kreiert.

Erstmal werden Getränke serviert. Seltsamerweise wirbt SAA auf ihrer Website damit, dass an Bord Taittinger-Champagner offeriert wird, während meine langjährige SAA-Erfahrung zeigt, dass man ausschließlich landeseigene sogenannte "Cap Classique"-Schaumweine kredenzt. Die können durchaus hervorragend sein, wobei ich trotzdem einen Taittinger bevorzugen würde - aber stimmig sollten Werbung und Realität dann schon sein.

Verpflegung stimmt

Während ich mir aus dem modernen IFE-System, das über hundert Filme und 170 Musikalben bietet, eine ordentliche R&B-CD ausgesucht habe, beginnt das Abendessen.

Ich habe mir als Vorspeise Entenbrust mit Stachelbeerkompott bestellt, finde das Geschmackserlebnis aber überschaubar. Insgesamt gibt es drei Varianten an Vorspeisen, auch Suppe und Salat, die ich als leichte Menüoption auch alle zusammen hätte wählen können.

South African Airways Airbus A330-200 Business Class
South African Airways Airbus A330-200 Business Class, © Andreas Spaeth

Als Hauptgang wähle ich unter vier Optionen die gebackene Seezunge mit Frischkäse und Schnittlauch, serviert mit Linguini, Erbsenschoten und Kapern-Tomatensauce. Der Fisch selbst ist so hervorragend, dass mir die Beilagen beinahe egal sind, und auch dass von Frischkäse und Schnittlauch nichts zu sehen ist. Nur das knackige Gemüse kommt gut dazu.

South African Airways Airbus A330-200 Business Class
South African Airways Airbus A330-200 Business Class, © Andreas Spaeth

Merke: Mit guter Rohware braucht es keine komplizierten Rezepte. Abgerundet mit einem frischen, aromatischen 2015er Orange River Colombard-Weißwein, bin ich mit dem Essen rundum zufrieden.

Auf Käse verzichte ich, und erhalte auf Nachfrage, welche Eissorten es gäbe, da sie im Menü nicht aufgeführt sind, einen Becher extrem köstlichen Passionsfrucht-Sorbets. Ein echtes Highlight. Jetzt noch einen Klipdrift Brandy zur Verdauung und ich bin bereit für die Nachtruhe.

South African Airways Airbus A330-200 Business Class
South African Airways Airbus A330-200 Business Class, © Andreas Spaeth

Dazu lässt sich der Sitz zu einem 180 Grad flachen Bett ausfahren, zuvor wird noch eine Matratzenauflage auf die Sitzfläche gelegt, eine dünne Daunendecke soll dann Schlafzimmerkomfort bieten. Glücklicherweise ist auf diesem Nachtflug die Kabine angenehm kühl und nicht drückend warm wie sonst oft, von daher passt die Bettdecke hervorragend.

Abzüge beim Sitz

Leider allerdings hält der Sitz, oder zumindest das Fußende der 180 Zentimeter langen Liegefläche nicht dass, was er verspricht: Es verläuft auch im ausgefahrenen Zustand nicht in einer Ebene mit dem Rest des Bettes, sondern knickt leicht nach unten ab. Damit ist das nicht wirklich ein Fullflat-Sitz und sehr störend beim Schlafen für einen Menschen von 1,88 Meter Körperlänge.

Wie fast immer nach Nachtflügen verzichte ich morgens auf das viel zu früh angebotene Frühstück, sondern bleibe bis kurz vor der Landung liegen. Im Anflug bringt man mir netterweise noch einen heißen Tee, und schon setzt die A330 nach elf Stunden und 13 Minuten sanft und pünktlich in Heathrow auf.

Zum ersten Mal komme ich am neuen "Queen's Terminal" 2 an, das exklusiv von der Star Alliance genutzt wird. Morgens um halb sieben Ortszeit am Pfingstsamstag paradiesisch leer, großartige Architektur, so macht das Umsteigen sogar in Heathrow mehr Spaß als in Frankfurt oder München.

Bewertung

SAA bietet in Business Class ein solides Produkt mit allem, was heutzutage dazugehört. Die konventionell in Paaren stehenden Sitze erlauben allerdings relativ wenig Privatsphäre und das leicht abknickende Fußende ist ein Ärgernis bei einem vermeintlichen Fullflat-Sitz. Hoffentlich ist SAA finanziell in der Lage, bald eine Überarbeitung ihres Business-Produkts auf einen moderneren Standard anzugehen und diese Punkte abzustellen.

Flugreport

Airline: South African Airways
Flugzeugtyp: Airbus A330-200
Kennzeichen: ZS-SXV
Kabine: Business Class
Datum: 13. Mai 2016
Route: Johannesburg-London/Heathrow
Flug: SA234

Andreas Spaeth


Andreas Spaeth fliegt. Viel. Auf PaxEx.de schreibt Spaeth, einer der führenden Luftfahrtjournalisten in Europa, über seine Erlebnisse als Passagier rund um den Globus.

Auf Twitter ist der Autor als @SpaethFlies unterwegs.
© Andreas Spaeth | Abb.: Andreas Spaeth | 04.07.2016 14:42


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