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Mit Iberias neuester A330-200 von Madrid nach Havanna

MADRID - Iberia verfügt in Madrid-Barajas über ein erstklassiges Drehkreuz mit großartigem Terminal und ausreichend Kapazität. Der spanische National Carrier bietet ein hervorragendes Streckennetz vor allem von Europa nach Mittel- und Südamerika, neuerdings auch wieder nach Tokio, Shanghai und Johannesburg und weiteren Zielen in Afrika und Nordamerika.

Trotzdem war Iberia bisher nicht wirklich eine bevorzugte Wahl gerade für internationale Geschäftsreisende, dafür war ihr Ruf bei Hardware und Service einfach nicht überzeugend genug.

SpaethFlies: Iberia 6621
SpaethFlies: Iberia 6621, © Andreas Spaeth

Seit 2014 hat Iberia, jetzt mit British Airways unter dem Dach von IAG, nach einer Beinahe-Pleite 2013 einen beeindruckenden Wiederaufstieg hingelegt. Äußerlich sichtbar an ihrem neuen Erscheinungsbild, das ich allerdings ausnehmend langweilig und nichtssagend finde.

Eine Modernisierung ihres ikonenhaften Auftritts zuvor, mit der spanischen Krone im Mittelpunkt, hätte ihr wesentlich prägnanter zu Gesicht gestanden als die langweilige Identität jetzt, die jede optische Wärme und Verbindung zu Spanien vermissen lässt.

Flugreport
Airline
Iberia
Flugzeugtyp
Airbus A330-200
Kennzeichen
EC-MKI
Kabine
Business Class
Datum
16. Juni 2016
Route
Madrid - Havanna
Flug
IB6621
Für den Kunden wichtiger ist der Auftritt an Bord, und der hat sich gründlich gewandelt. "Wir mussten das Niveau anheben und Konsistenz erreichen", sagt Kundenservice-Direktorin Carolina Sandra Martinoli in Madrid, "wir haben einen langen Weg zurückgelegt, das Feedback hat sich stark verbessert, aber wir haben immer noch viel zu tun."

Iberia fliegt derzeit mit drei unterschiedlichen Flugzeugen auf Langstrecken, den 17 älteren Airbus A340-600, acht A330-300 sowie als jüngsten Neuzugängen vier A330-200. Die verbleibenden A340-300 verlassen die Flotte bis Oktober. Alle anderen Kabinen sollen bis Jahresende auf dem gleichen, neuesten Stand sein.

Neben dem aktuellen, stark verbesserten Kabinenprodukt in Business und Economy ist Iberia vor allem Stolz auf ihre neue Kultur der Pünktlichkeit, "das ist sehr wichtig für uns und jetzt tief verwurzelt", sagt Martinoli.

Madrid-Barajas am frühen Nachmittag, durch die etwas versteckt liegende Sicherheitskontrolle für Premium-Passagiere bin ich im Nu unten im Keller. Hier starten die automatischen Züge ins Satellitenterminal, von dem mein Flug nach Havanna um 16.30 Uhr starten soll.

Nach Ankunft dort dann der Schock: Endlose Schlangen vor der Passkontrolle, nur drei Schalter geöffnet, natürlich gibt es hier keine Fast Lane. Irgendwann, nach quälend langen Minuten, öffnet ein weiterer Durchgang, doch der zunächst gute Eindruck von Barajas ist wieder flöten.

SpaethFlies: Iberia 6621
SpaethFlies: Iberia 6621, © Andreas Spaeth

Ich gehe in die "Sala VIP Velázquez", die Iberia-Lounge. Die ist riesig, große Glasfronten geben den Blick frei auf das Vorfeld. Hier könnte ich Stunden bleiben. Zum Glück gibt es ausreichend Lesestoff auch auf Deutsch und Englisch, das war früher anders.

Das Essensangebot ist gut, an mehreren Theken kann man die Weine verkosten, die es auch an Bord gibt, sogar ein Sommelier soll hier seine Runden machen, gesehen habe ich ihn nicht. Spanier sind zu Recht stolz auf ihre guten Cava-Schaumweine. Doch die Enttäuschung folgt auf dem Fuß, wie schon am Vortag in der innereuropäischen Business Class serviert Iberia hier ausschließlich eine viel zu süße "Semi Seco"-Plörre aus Mini-Fläschchen, peinlich für ein Weinland und seine vielleicht wichtigste Flughafenlounge.

Zu meinem Boarding Gate ist es nicht weit, als Business-Passagier gleite ich durch das Gedränge hindurch und kann umgehend einsteigen. Die vordere Kabine der brandneuen, erst Ende April ausgelieferten A330-200 mit dem Namen "Puerto Rico" kommt mir irgendwie bekannt vor. Kein Wunder, bedient sich die Iberia Business Class doch des gleichen Solstys-Sitzes, wie ihn in anderen Stoff-Farben auch Air Berlin, Etihad und Alitalia verwenden.

In dieser Version kommt eine mit nur 19 Sitzen in Business Plus bestuhlte Kabine zum Einsatz, wie das Iberia-Premium-Produkt offiziell heißt. Die Anordnung ist 1-2-1, wobei die Fensterplätze der Reihen 2 und 4 für Alleinreisende sicher die besten Sitze sind, weil sie durch die Tischkonsolen zum Gang hin abgeschirmt sind und gleichzeitig einen guten Blick nach draußen erlauben.

SpaethFlies: Iberia 6621
SpaethFlies: Iberia 6621, © Andreas Spaeth

Daher freue ich mich, auf 4L, dem letzten Sitz hinten rechts, zu sitzen. In den ungeraden Reihen sind die Einzelsitze zum Gang hin offen und bieten wenig Privatsphäre, hier liegen außerdem die beiden Mittelplätze so nahe beieinander, dass Fremde einander näherkommen als wünschenswert.

Der Start nach Havanna verzögert sich, weil ein paar Passagiere nicht erscheinen und ihr Gepäck ausgeladen werden muss. Mit rund 40 Minuten Verspätung geht es los, zuvor wurde Wasser, Saft oder ein jetzt hervorragender, trockener Cava serviert. Nach dem Start lässt sich die Flugroute auf dem interaktiven Bildschirm verfolgen und wie am Smartphone oder Tablet mit Fingerstreichen die Blickrichtung ändern.

Das Panasonic X-System der Bordunterhaltung ist auch der letzte Schrei vieler anderer Airlines, somit fehlen ein wenig die Unterscheidungsmerkmale sowohl bei Sitzen als auch beim IFE. Und die Kopfhörer sind leider von mäßiger Qualität, ich muss meinen einmal umtauschen, Hörgenuss geht anders.

SpaethFlies: Iberia 6621
SpaethFlies: Iberia 6621, © Andreas Spaeth

Die Crew ist freundlich und effizient, auch dies eine Verbesserung, denn Iberias unstete Servicementalität war stets eine ihrer Schwachstellen. Hier hat intensives Training offenbar etwas bewirkt. Zum Aperitif genehmige ich mir noch ein Glas des hervorragenden Cava "Castillo Perelada Brut Reserva" - unverständlich warum Iberia den im Sinne ihrer angestrebten Produkt-Konsistenz nicht auch in der Lounge oder auf Europaflügen serviert.

Dazu gibt es wahlweise Nüsse oder auch leckere gefüllte Oliven,aus einer großen Schüssel serviert, ich bitte um beides. Die Oliven sind ein simpler Weg, jeden nach Spanien zu versetzen, eine Art Comfort Snack, den auch andere Airlines servieren sollten.

Eile beim Service


Speise-und Weinkarte sind schön aufgemacht, das Menü verspricht "Mediterranean flavour." Allerdings finde ich die Auswahl der drei Hauptgerichte nicht besonders einfallsreich, auch wenn Huhn mit Foie Gras-Füllung darunter ist. Die auf einem Tablett gereichten Vorspeisen, ohne Wahlmöglichkeit, sind so mediterran, dass es Tomaten gleich in dreierlei Variation gibt und Olivenöl statt Butter.

SpaethFlies: Iberia 6621 (© Andreas Spaeth)
SpaethFlies: Iberia 6621 (© Andreas Spaeth)
SpaethFlies: Iberia 6621 (© Andreas Spaeth)
SpaethFlies: Iberia 6621 (© Andreas Spaeth)
SpaethFlies: Iberia 6621 (© Andreas Spaeth)
SpaethFlies: Iberia 6621 (© Andreas Spaeth)
Fotoserie: SpaethFlies: Iberia 6621 - Catering

Dass das Gazpacho, diese köstliche kalte Tomatensuppe, aber aus Tetra-Pack-Tüten spritzend vom Flugbegleiter in die Schüssel geschüttet wird, wirkt abschreckend und stillos. Es schmeckt trotzdem, auch der geräucherte Kabeljau ist in Ordnung, das eine Stückchen Käse wirkt kleinlich, wo anderswo eine Käseplatte auf dem Wagen vorbeikommt.

Genau 81 Minuten nach dem Start, dies ist ein Tagflug, kommt das Hauptgericht: Die vegetarische Menüoption, für die ich mich entschieden habe, mit Käse gefüllte Pasta in Tomatenpüree, ist nicht besonders innovativ und schmeckt eher durchschnittlich. Dazu schaffe ich es gerade mal, ein kleines Glas leckeren weißen Rioja von 2015 zu trinken, weil die Flugbegleiter plötzlich völlig grundlos mit dem Service hetzen.

Schon zwölf (!) Minuten nach dem Servieren des Hauptgangs bringen Sie den Nachtisch. Es gibt Mangotorte oder Eis aus der laktosefreien Milch der Erdmandel, Spanier nennen sie Horchata. Ich bin neugierig genug das zu probieren, aber leider schmeckt das Eis fast nach nichts, die Waffelstreusel sind das Beste.

Nach diesem Menü bin ich von Iberias Kulinarik eher enttäuscht. Versöhnt werde ich vor der Landung durch die köstlichen Scheiben vom Ibérico-Schinken, die mit Tomaten-Olivenöl-Püree und Brot gereicht einen hervorragenden Geschmack nach langem Flug zurücklassen. Gute, simple Rohware ist oft besser als vermeintliche Sterneküche.

Ku-Band

Positiv erwähnen muss ich noch den Internetzugang an Bord. In Iberias neuesten A330-200 steht dafür das schnelle Ku-Band zur Verfügung. Business Class-Passagiere erhalten einen Gutschein für 30 Minuten freie Nutzung, wer nett fragt bekommt auch einen zweiten. Eine Stunde kostet sonst 8,95 Euro für maximal 80MB, der ganze Flug mit 400MB 29,99 Euro, ein ordentlicher Deal.

SpaethFlies: Iberia 6621
SpaethFlies: Iberia 6621, © Andreas Spaeth

Und das Netz ist rasant schnell, beeindruckend. Außerdem macht Iberia in ihrem Web-Portal so gut wie keine andere Airline klar, was man mit welcher Datenmenge in etwa beim Surfen anfangen kann. Vorbildlich. Schließlich reicht es noch für einen kurzen Schlaf vor der Landung, für einen 1,88 Meter-Mann wie mich sind Bettbreite und -länge nicht immens, aber ausreichend, zumindest wenn man sich seitlich bettet oder ein wenig einrollt.

Bewertung

Iberia sichert sich mit ihrem neuen Business-Produkt definitiv einen Platz unter den Qualitäts-Airlines. Insgesamt eine große Verbesserung gegenüber früheren Zeiten, gerade Geschäftsreisende sollten die Spanier jetzt als eine ernst zu nehmende Alternative einplanen. Auch wenn im Detail, etwa bei Essensqualität und Serviceablauf, noch ein wenig Luft nach oben ist.

Andreas Spaeth


Andreas Spaeth fliegt. Viel. Auf PaxEx.de schreibt Spaeth, einer der führenden Luftfahrtjournalisten in Europa, über seine Erlebnisse als Passagier rund um den Globus.

Auf Twitter ist der Autor als @SpaethFlies unterwegs.

© Andreas Spaeth | Abb.: Andreas Spaeth | 21.07.2016 09:29


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