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In Cathay Pacifics neuer A350 von Düsseldorf nach Hongkong

DÜSSELDORF - Cathay Pacific ist seit diesem Sommer der sechste Betreiber des neuen Airbus A350-900, am 1. September nahm der neue Flugzeugtyp seine erste Langstrecke im Cathay-Streckennetz auf: Von Hongkong nach Düsseldorf und zurück.

Der Rhein/Ruhr-Flughafen entwickelt sich durch Air China, ANA, Singapore Airlines (ebenfalls mit A350) und nun Cathay immer mehr zum kleinen Asienhub. Nachdem Cathay die Strecke bereits ein Jahr lang mit der Boeing 777-300ER betrieben hatte, kommt nun viermal wöchentlich die A350 zum Einsatz.

Cathay Pacific Airways Airbus A350-900
Cathay Pacific Airways Airbus A350-900, © Airbus S.A.S.

Doch der Premieren-Rückflug nach Hongkong startet nicht ganz so wie geplant. Nachdem die dritte von zu jener Zeit vier A350 in der Flotte am Morgen pünktlich aus Asien gelandet war, gibt es vor dem erneuten Start Probleme an Bord. Aus dem geplanten Abflug um 13.25 Uhr wird nichts, das ist schon eine Stunde zuvor klar, doch die Passagiere werden erst sehr viel später und nur vage informiert.

Flugreport
Airline
Cathay Pacific
Flugzeugtyp
Airbus A350-900
Kennzeichen
B-LRC
Kabine
Business Class
Datum
1. September 2016
Route
Düsseldorf - Hongkong
Flug
CX376
Zur eigentlichen Ursache, offenbar einem technischen Problem in einem der Cockpit-Systeme, gibt es keinerlei Angaben. Hier sollte eine renommierte Airline offener kommunizieren. Zumal Business Class-Passagiere in Düsseldorf die Lufthansa-Lounge nutzen, zwischen der und dem Gate die Passkontrolle liegt, die viele am Ende mehrfach passieren müssen.

Irgendwann heißt es, Abflug sei nun um 15 Uhr, tatsächlich hebt Flug CX376 erst um 15.37 Uhr ab, über zwei Stunden verspätet. Dazu hätte man auch an Bord gern eine Ansage und Erklärung bzw. Entschuldigung gehört, die aber nie kommt.

Da sorgt Cathays neuestes Flugzeug schon eher für gute Stimmung, denn die A350-Kabine kann sich sehen lassen: Mit 280 Sitzen, davon 38 in Business Class, 28 in Premium Economy und 214 in Economy, gehört Cathay zu den großzügigsten A350-Betreibern, während etwa LATAM oder Ethiopian Airlines bis zu 348 Fluggäste darin unterbringen.

Ich darf mir vor Abflug die gesamte Kabine ansehen, und die größte Innovation findet sich in Economy: Die Kopfstütze bietet völlig neue Unterstützung, der Kopf lässt sich damit gut fixieren und kann seitlich nicht mehr wegkippen. Aber auch die neue Premium Economy macht einen sehr guten Eindruck, vor allem dank des üppigen Sitzabstands von 40 Zoll (101,6cm).

Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class (© Andreas Spaeth)
Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class (© Andreas Spaeth)
Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class (© Andreas Spaeth)
Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class (© Andreas Spaeth)
Fotoserie: Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class

Und natürlich die Business-Kabine: 30 Sitze im nach außen gerichteten Heringsgräten-Muster in 1-2-1-Anordnung befinden sich in der vorderen Kabine, lediglich acht in dem kleinen Abteil hinter Küchen und Toiletten. In Business lehnt sich Cathay an ihr bestehendes Produkt aus der Boeing 777-300ER an, für die erstmals durch das ganze Flugzeug konsistente Gestaltung hat sich Cathay die Dienste von Porsche Design gesichert.

Für die A350 wurde das Business-Produkt an den von Zodiac gefertigten Cirrus III-Sitzen weiter entwickelt - hinzu kam mehr Stauraum: Ein praktisches und geräumiges Fach am Boden, in das etwa ein Laptop verstaut werden kann, plus eine Halterung für die Wasserflasche im Inneren der versenkbaren Armlehne.

Das Staufach wird Teil der Liegefläche, sobald der Sitz in die Bettposition gebracht ist, der Freiraum für die Knie sowie die damit erreichte Bettbreite ist hervorragend. Die Bett-Länge von 190cm hat sich nicht verändert gegenüber der 777, dank großzügiger Fußfreiheit habe auch ich als 1,88 Meter-Mann keine Platzprobleme, weder in der Länge noch in der Breite.

Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class
Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class, © Cathay Pacific

Dabei ist der eigentliche Sitz in der A350 um zwei Zentimeter schmaler, aber das Bett dank der sich anschließenden Zusatzfläche breiter. Zumal dann, wenn man zum Gang hin die Armlehnen versenkt.

Der Sitzabstand wird sogar mit fünf Zentimetern mehr angegeben (114,3cm) als in der 777. Auch Schuhe in Größe 46 finden jetzt bequem unter der Ottomane am Sitzende Platz, vorher passten sie nie in das zu kleine Schränkchen. Ein solches findet sich jetzt in verbesserter Form, innen mit knallrotem Leder aufgepeppt, in Schulterhöhe, unweit des Bedienfelds für die Sitzfunktionen.

Darin hängt der hervorragende, lärmmindernde Kopfhörer, außerdem gibt es ein Netz in der Tür, in dem sich Brille oder Smartphone gut verstauen lassen. Allerdings würde kaum jemand darauf kommen, dass sich noch hinter dem Kopfhörer die Steckdose zum Laden der mitgebrachten Geräte versteckt.

Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class
Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

Auf den Mittelsitzen dient die aufgeklappte Schranktür auch noch als Trennwand-Ersatz zum Nachbarsitz. Generell aber bietet die Cathay-Business-Kabine ein Höchstmaß an Privatsphäre, ein Kokon aus Kunststoff schirmt jeden Sitz zum Gang hin ab, und elegant ist das Erscheinungsbild allemal. Ich sitze auf 21K, in der letzten Reihe der Business Class am Fenster in Flugrichtung rechts, ein hervorragender Platz, in diesem sehr privaten kleinen Kabinen-Abteil.

Großartiges IFE aber ...

Einen Quantensprung bietet das neue Studio CX-Unterhaltungssystem - und der jetzt auf 18,5 Zoll (47cm) Diagonale gewachsene, kristallklare Bildschirm. Allerdings gelingt es mir bis zum Start nicht, das Live-Bild der Heck- oder Bugradkamera darauf anzuschauen, das bekomme ich nur auf dem Smartphone-ähnlichen Bedienelement gezeigt, das ich aus seiner Halterung nehme.

Bedient wird das Unterhaltungssystem fast genau so wie ein Tablet, trotzdem dauert es etwas, damit vertraut zu werden, manche Dinge klappen auch nach Stunden noch nicht so, wie ich sie als Nutzer gern hätte. Zu den Highlights gehört jetzt Live-Fernsehen; BBC World, CNN und Euro News sollen schon vor dem Start und bis nach der Landung verfügbar sein, ich allerdings empfange wiederholt nur Bild, aber keinen Ton.

Neben der stets mit aktuellen Meldungen ergänzten Text-Nachrichtenfunktion bietet das System neu auch einen e-Reader, etwa 35 digitale Magazine in Englisch und Chinesisch sind verfügbar.

Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class
Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

Da der Bildschirm recht weit entfernt ist empfinde ich es als etwas mühsam, darin zu blättern, auch wenn sich die Schrift größer ziehen lässt. Da greife ich mir doch lieber ein gedrucktes Monocle-Magazin aus der Auslage, ich halte die von einigen Airlines forcierte weitgehende Umstellung auf digitale Printmedien an Bord für einen Bärendienst am Kunden.

Großartig ist die interaktive 3D-Karte, auf der sich der Flugweg aus verschiedensten Perspektiven verfolgen lässt und man sich sogar in einzelne Straßen überflogener Städte zoomen kann - oder den Blick aus dem Cockpit samt wichtigen Flugdaten genießt.

Genauso perfekt läuft der Internet-Zugang, für US$19,95 erwerbe ich eine Flatrate für den gesamten Flug, der Online-Zugang funktioniert auf meinem Smartphone schnell und tadellos. Der Preis ist fair, gemessen an den teuren Datenpaketen anderer Airlines. Internet-Zugang ist oberhalb von 10.000 Fuß Flughöhe verfügbar, demnächst soll es auch mobiles Roaming für Textnachrichten an Bord geben, das dann erst oberhalb von 20.000 Fuß, warum auch immer.

... Punktabzüge beim Service

Während Cathay Pacific auf ihrem A350-Premierenflug mit der Hardware punktet, fällt dagegen die Besatzung mit ihrem Service stark ab. Es mag an dem für sie neuen Flugzeug liegen, an der unerwarteten und unerklärten Verspätung, jedenfalls ist von der sonst üblichen souveränen Freundlichkeit und Effizienz wenig zu spüren.

Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class
Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

Zunächst dauert es 48 Minuten, bis nach dem Start zum ersten Mal Getränke angeboten werden. Dies ist für einen Flug in die Nacht hinein viel zu spät. Meine Bitte um ein Glas Champagner (Billecart-Salmon Brut) wird beantwortet mit einem Glas abgestandenen Schaumweins, aus einer lange vor dem Start geöffneten Flasche.

Ich zeige auf die fehlenden Perlen und bitte um Ersatz. Der kommt auch, beinahe wortlos, keine Entschuldigung oder Erklärung. Lunch, so steht es in der Karte, werde "kurz nach dem Start" serviert. Heute heißt das leider eine Stunde und 56 Minuten Warten nach dem bereits stark verzögerten Abheben.

Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class
Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

Für die Vorspeise gibt es keine Auswahl, jeder bekommt Vitello tonnato und Salat. Die vier Hauptgerichte werden auf dem Trolley aufgefahren, ich mag das, mir mein Wahlmenü auch nach Aussehen auszuwählen. Die auf Privatheit ausgelegten Business-Sitze in der A350 bringen es allerdings mit sich, dass es schwer ist, überhaupt einen richtigen Blick auf den Wagen im Gang zu erhaschen, er muss eigens hin und her bewegt werden, um die Menüs zu sehen.

Ich entscheide mich für Entenbrust, es hätte auch Rinderfilet, Heilbutt oder vegetarische Pasta gegeben. Es schmeckt anständig, aber in keiner Weise bemerkenswert. Gleiches gilt für Käse, Schokomousse oder Apple Crumble danach. Neben den regulären Weinen, je zwei in Rot und Weiß, bietet Cathay auf jedem Flug einen organischen Wein, dazu gibt es eigens eine Sonderseite im Menü. Pro Flug ist nur einer dieser Extrasorten beladen.

Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class
Cathay Pacific Airbus A350-900 Business Class, © Andreas Spaeth

Meine Frage, welcher das heute sei, bringt die Flugbegleiterin in arge Nöte. Es bedarf mehrerer Hinweise auf die Weinkarte und einiger Wartezeit, bis klar ist, dass es sich um einen chilenischen Roten handelt. Beim Rückflug löst meine Frage übrigens wieder ähnliche Verwirrung aus - warum schult Cathay ihre Besatzungen nicht besser, frage ich mich.

Den Rest des Fluges verbringe ich lesend und schlafend, verzichte weitgehend auf das Frühstück, was nach deutscher Zeit kurz vor Mitternacht serviert wird. Die Landung in Hongkong nach genau zehn Stunden und 45 Minuten verfolge ich jetzt auf dem Haupt-Bildschirm mit Bug- und Heckkamera, großes Kino. Ein Langstrecken Flug in der A350, dies ist mein zweiter, ist dank minimalem Lärms und besserer Kabinenluft auf jeden Fall angenehmer als in vielen anderen Flugzeugen.

Bewertung

Cathay Pacific bietet in ihren neuen A350 in allen drei Klassen ein hervorragendes Produkt. Wenn der Bordservice auf normalem Cathay-Niveau abläuft, was auf meinem Flug nur bedingt der Fall war, gehört die Airline aus Hongkong sicher weiterhin in die weltweite Spitzengruppe.

Andreas Spaeth


Andreas Spaeth fliegt. Viel. Auf PaxEx.de schreibt Spaeth, einer der führenden Luftfahrtjournalisten in Europa, über seine Erlebnisse als Passagier rund um den Globus.

Auf Twitter ist der Autor als @SpaethFlies unterwegs.
© Andreas Spaeth | Abb.: Airbus | 30.09.2016 15:32


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